02.12.2015

Es geht auch anders - Bodenarbeit und Dual-Aktivierung ®

Die Dual Aktivierung® basiert in erster Linie auf der besonderen Wahrnehmung des Pferdes seiner Umwelt.
Für die Dual Aktivierung® spielt das Auge des Pferdes und die Verarbeitung von empfangenen Informationen im Gehirn eine besondere Rolle.


Das Farbsehen der Pferde[1]


In wissenschaftlichen Studien wurde sehr deutlich klar, dass Pferde mit ziemlicher Sicherheit Blau sehen können, was auch mit den anatomischen Gegebenheiten übereinstimmt. Weiters wurde in einer Studie die Farbsichtbarkeit bei Mondlichtstärke gemessen und auch hier konnte das Versuchstier blau erkennen.
Bei gelb und grün traten unterschiedliche Ergebnisse in den verschiedenen Studien auf. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Farben laut CIE – Normfarbtabelle einem gelblich-grünen Farbton entsprechen.
Diese Erkenntnis über das Farbsehen der Pferde nützt die Dual-Aktivierung® und setzt die Farben blau/gelb als Reizverstärkung ein.

Bild:http://www.smarthorses.com/2014/understa 1

Getrennte visuelle Wahrnehmung


Betrachtet man den Schädel eines Pferdes so fällt auf, dass die Augen, nicht wie bei Menschen oder bei Raubtieren vorne, sondern seitlich platziert sind.
Das ergibt die Besonderheit, die wir uns beim Umgang mit unserem Partner Pferd stets vor Augen halten müssen: Das Pferd empfängt zumindest im Nahbereich mit jedem Auge ein anderes Bild seiner Umgebung. Man bezeichnet diese Sehweise auch als „monokulare Sehweise“.
Diese Sehweise ist für ein Fluchttier, wie das Pferd es ist, in seiner ursprünglichen Umgebung  (Steppe, Savanne…) von großem Vorteil.
Es hält vereinfacht gesagt mit einem Auge Ausschau nach seinen Fressfeinden (Puma,Bär, Wolf…) während es gleichzeitig mit dem anderen Auge die Fluchtrichtung erfasst.
Die meisten Pferde  verwenden das linke Auge um Ausschau zu halten, wir bezeichnen daher das linke Auge auch als „Sicherheitsauge“ das rechte Auge als „Fluchtauge“. Abgespeichert werden die Sinneseindrücke vorwiegend in der gegenüberliegenden Gehirnhälfte (80-85%). Pferde sehen also einen Gegenstand von links und sind sich auf der rechten Seite kaum bewusst, dass er vorhanden ist. Dieser Effekt wird häufig durch ein einseitiges Arbeiten (meist von der linken Seite) noch verstärkt.
Hinzu kommt, dass der Transfer der Information zwischen den Gehirnhälften (Hemisphären) nur langsam und unzureichend stattfindet.

Ein Beispiel: Beim Vorbeireiten wird ein Holzstapel mit dem linken Auge erfasst und (aus Sicht des Pferdes) als ungefährlich eingestuft. Diese Information wird Großteils in der rechten Gehirnhälfte abgespeichert. Am Rückweg kann es durchaus zu der Situation kommen, dass der gleiche Holzstapel nun mit dem rechten Auge erfasst wird  und das unzureichend  abgespeicherte Bild in der linken Gehirnhälfte zu einer Fluchtreaktion führen kann.
Die Fluchtreaktion kann durchaus unterschiedlich sein wie z. B.: Steigen, auf der Stelle tänzeln oder weglaufen. Hier ist es für den Reiter entscheidend die Reaktion richtig zu interpretieren und mit der Situation in der richtigen Art und Weise umzugehen.
Häufig wird aus dem Unverständnis der Zusammenhänge die Reaktion des Pferdes als Widersetzlichkeit interpretiert und  falsch reagiert.

Durch dieses Ungleichgewicht der Gehirnhälften sind die meisten Pferde schlecht ausbalanciert und sich ihrer Hinterhand oftmals kaum bewusst.
Auf diesen Erkenntnissen baut Mike Geitner sein Konzept der Dual-Aktivierung® auf.
Genau an diesen Transferproblemen zwischen rechter und linker Gehirnhälfte setzt die Dualaktivierung® an.
Durch fortwährende rechts/link Reize wird das  Pferd dazu angeregt, mehr Informationen von beiden Seiten aufzunehmen und sie im Gehirn zu verarbeiten. 

Im nächsten Beitrag möchte ich mich mit dem Thema "Das Fluchttier Pferd - Angst und Panik" auseinandersetzen.