Die Dual Aktivierung® basiert in erster
Linie auf der besonderen Wahrnehmung des Pferdes seiner Umwelt.
Für die Dual Aktivierung® spielt das Auge des
Pferdes und die Verarbeitung von empfangenen Informationen im Gehirn eine
besondere Rolle.
Das Farbsehen der
Pferde[1]
In
wissenschaftlichen Studien wurde sehr deutlich klar, dass Pferde mit ziemlicher
Sicherheit Blau sehen können, was auch mit den anatomischen Gegebenheiten
übereinstimmt. Weiters wurde in einer Studie die Farbsichtbarkeit bei
Mondlichtstärke gemessen und auch hier konnte das Versuchstier blau erkennen.
Bei gelb und grün traten unterschiedliche Ergebnisse in den verschiedenen Studien
auf. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Farben laut CIE –
Normfarbtabelle einem gelblich-grünen Farbton entsprechen.
Diese
Erkenntnis über das Farbsehen der Pferde nützt die Dual-Aktivierung® und setzt die Farben blau/gelb als Reizverstärkung ein.
![]() |
Bild:http://www.smarthorses.com/2014/understa
1
|
Getrennte visuelle Wahrnehmung
Betrachtet
man den Schädel eines Pferdes so fällt auf, dass die Augen, nicht wie bei
Menschen oder bei Raubtieren vorne, sondern seitlich platziert sind.
Das
ergibt die Besonderheit, die wir uns beim Umgang mit unserem Partner Pferd
stets vor Augen halten müssen: Das Pferd empfängt zumindest im Nahbereich mit
jedem Auge ein anderes Bild seiner Umgebung. Man bezeichnet diese Sehweise auch
als „monokulare Sehweise“.
Diese
Sehweise ist für ein Fluchttier, wie das Pferd es ist, in seiner ursprünglichen
Umgebung (Steppe, Savanne…) von großem
Vorteil.
Es hält
vereinfacht gesagt mit einem Auge Ausschau nach seinen Fressfeinden (Puma,Bär,
Wolf…) während es gleichzeitig mit dem anderen Auge die Fluchtrichtung erfasst.
Die
meisten Pferde verwenden das linke Auge
um Ausschau zu halten, wir bezeichnen daher das linke Auge auch als „Sicherheitsauge“
das rechte
Auge als „Fluchtauge“. Abgespeichert werden die Sinneseindrücke
vorwiegend in der gegenüberliegenden
Gehirnhälfte (80-85%). Pferde sehen also einen Gegenstand von links und sind
sich auf der rechten Seite kaum bewusst, dass er vorhanden ist. Dieser Effekt
wird häufig durch ein einseitiges Arbeiten (meist von der linken Seite) noch
verstärkt.
Hinzu kommt, dass der Transfer
der Information zwischen den Gehirnhälften (Hemisphären) nur langsam und
unzureichend stattfindet.
Ein Beispiel: Beim Vorbeireiten
wird ein Holzstapel mit dem linken Auge erfasst und (aus Sicht des Pferdes) als
ungefährlich eingestuft. Diese Information wird Großteils in der rechten
Gehirnhälfte abgespeichert. Am Rückweg kann es durchaus zu der Situation
kommen, dass der gleiche Holzstapel nun mit dem rechten Auge erfasst wird und das unzureichend abgespeicherte Bild in der linken Gehirnhälfte
zu einer Fluchtreaktion führen kann.
Die
Fluchtreaktion kann durchaus unterschiedlich sein wie z. B.: Steigen, auf der
Stelle tänzeln oder weglaufen. Hier ist es für den Reiter entscheidend die
Reaktion richtig zu interpretieren und mit der Situation in der richtigen Art
und Weise umzugehen.
Häufig
wird aus dem Unverständnis der Zusammenhänge die Reaktion des Pferdes als
Widersetzlichkeit interpretiert und
falsch reagiert.
Durch dieses Ungleichgewicht der
Gehirnhälften sind die meisten Pferde schlecht ausbalanciert und sich ihrer
Hinterhand oftmals kaum bewusst.
Auf
diesen Erkenntnissen baut Mike Geitner sein Konzept der Dual-Aktivierung® auf.
Genau an
diesen Transferproblemen zwischen rechter und linker Gehirnhälfte setzt die
Dualaktivierung® an.
Durch
fortwährende rechts/link Reize wird das Pferd dazu angeregt, mehr Informationen von
beiden Seiten aufzunehmen und sie im Gehirn zu verarbeiten.
Im nächsten Beitrag möchte ich mich mit dem Thema "Das Fluchttier Pferd - Angst und Panik" auseinandersetzen.
[1]
Vgl.; http://www.vetmeduni.ac.at/hochschulschriften/bakk-pferdewissen/AC10495837.pdf
[29.10.2015; 18:50]
