17.02.2016

Beobachtungen: Golden Flame unter dem Sattel

Ein paar wenige Monate übt sich Flame nun schon mit Reiter auf dem Rücken und heute hatte ich, nach einer gelungenen Stunde mit Christine, mal wieder die Gelegenheit, sie eingehender zu betrachten. Die Hauptarbeit beim Anreiten hat übrigens Karls 17jährige (!!) Tochter Stephi geleistet, Flame wurde also nicht zu einem Profi in Beritt gegeben, wie es doch nach Meinung so vieler anderer hätte sein müssen, "weil ja sonst nie ein vernünftiges Pferd aus ihr wird". Flame hatte Glück.

Flame darf sich entwickeln, sie darf reifen. (Wie übrigens auch guter Wein reifen muss -
und darf, denn interessanterweise sind die Leute sehr wohl bereit, einem Getränk alle Zeit der Welt zu geben, um wirklich gut zu werden, aber bei Pferden muss alles sofort sein, schnell gehen.) Sie bekommt genau die Zeit, die SIE, ihr Köprer und ihre Psyche, braucht, um lernen zu können. Es gibt kein vorgefertigtes Schema, in das sie passen muss, keinen Druck, nach Ablauf einer bestimmten, vom Menschen erdachten Zeit, irgendetwas können zu müssen. Flame hat Zeit. 
Was das ausmacht, habe ich heute sehen dürfen: Flame ist sowohl körperlich als auch psychisch ausgeglichen. An der Halle vorbeifahrende Fahrzeuge lassen sie absolut kalt, an ihr vorbeitrabende oder -galoppierende Pferde nimmt sie lässig zur Kenntnis, mitlaufen muss sie aber auch nach längerer Stehzeit ohne Koppelgang nicht. 
Derzeit wird sie gebisslos geritten, dehnt sich wunderschön vertrauensvoll an die Hand heran und bewegt sich auch mit Anlehnung geschmeidig weiter. Ihr Schritt ist taktklar und schwungvoll, der Rücken schwingt, Genick und Unterkiefer sind locker. An ihrer Balance in diversen Wendungen wird noch gearbeitet, aber sie findet immer wieder zur entspannten Haltung zurück und lernt so Schritt für Schritt, sich selbst mit dem Reitergewicht auf ihrem Rücken auszubalancieren. Flame wird nicht zwischen Hand und Schenkel festgequetscht und in einer Haltung fixiert, sie darf ihren Körper ausprobieren und so lernen, wie sie die einzelnen Anforderungen am besten meistert. Sie darf ihren Hals so gebrauchen, wie er für Pferde vorgesehen ist: als Hilfsmittel zur Balancefindung. Im Lauf der Zeit wird sie ihn immer weniger brauchen und so sukzessive zu dem finden, was in der Reiterei so sehr angestrebt wird: zum sich-selbst-Tragen. Flame hat allerdings einen Vorteil: Sie darf das ganze in ihrer Geschwindigkeit lernen und sie darf durch Ausprobieren in diese Richtung gehen. Behutsames Zeigen und dann selbst ausprobieren Lassen sind das Mittel der Wahl.

Ein sehr schönes Bild, im Vergleich zu dem, was ich im Lauf meines Reiterlebens (das nun immerhin schon 28 Jahre dauert) schon gesehen habe!