Angeblich Halfter-führig zeigte sich Flame beim Aufhalftern jedoch eher nervös und versuchte immer wieder mit hocherhobenen Kopf den Halfter zu entgehen. Für mich die typische Reaktion auf ein meist zu schnelles und hektisches Anlernen des Anlegens des Halfters. Ich beobachte immer wieder, dass nicht nur bei Jungpferden der Mensch mit häufig negativer Erwartung (es lässt sich sicher wieder nicht aufhalftern..) die Box / das Paddock betritt und versucht möglichst rasch, wie bei einen Überfall das Halfter über den Kopf zu bekommen. Eine Vorgehensweise die eher nicht als Ziel angestrebt werden sollte und bei der häufig schon vor dem Ausritt die Nerven blank liegen.
Wie Alfonso Aguilar sinngemäß treffend bemerkte - "ein Jungpferd soll alles in Ruhe erlernen und zwar bevor es die Dinge tatsächlich braucht" .
Am Beginn steht das Kennenlernen, die Gewöhnung, der Kontakt zu den Menschen. Der erste Schritt beginnt daher, das Pferd überall zu berühren. Sanfte streichelnde Berührungen mit viel Ruhe. Eine gleichmäßige, ruhige Atmung beim Menschen signalisiert dem Pferd, dass alles ist in Ordnung ist und nichts passiert. Unbedingt ist dabei zu beachten, dass ein entsprechender Abstand zum Pferd gewahrt wird. Wie der Mensch auch, empfindet ein Pferd eine zu enge Nähe als unangenehm. Wichtig ist eine innere Ruhe beim Menschen um eine entsprechende Vertrauensbasis mit dem Pferd aufbauen zu können.
Immer wieder kann ich beobachten, dass wenn etwas nicht ganz so klappt wie der Eine oder Andere es sich vorgestellt hat, Menschen oftmals mit sehr hohen inneren Druck an ihr Pferd herantreten. Das Pferd fühlt die innere Spannung des Menschen und interpretiert es meist im Sinne von "jetzt passiert gleich etwas" und entsprechend seinen Wesen spannt sich das Pferd um auf eine mögliche Bedrohung reagieren zu können. Das wiederum führt zu einer sich hochschaukelnden Nervosität zwischen Tier und Mensch die in sehr unangenehmen Situationen enden kann. Erkenne ich eine solcher Situation bei meinen Kunden, arbeite ich in der Regel zuerst mit dem Reiter an ein paar einfachen Entspannungsübungen bevor es zum Pferd geht.
Als nächstes finden die Berührungen mit Halfter und Strick statt. Das Pferd darf am Halfter ausgiebig riechen, etwas das einen Pferd häufig nicht entsprechend zugestanden wird. Senkt das Pferd entspannt den Kopf kann der Halfter in den meisten Fällen mit einer ruhigen gleichmäßigen Bewegung übergestreift werden. Viel Lob ist dann angesagt. Damit ein Pferd den Lob zuordnen kann, sollte dies mit einer veränderten Stimmlage verbunden sein. Ich finde daher das viel kommentierte und belächelte "PRÜMA" einer TV- Pferdetrainerin weit nicht so schlecht wie es in manchen Kommentaren gemacht wird.
Ist der Halfter übergestreift verschnallt und auf seinen Sitz überprüft, geht es ohne zu ziehen und zerren an die ersten Schritte am Halfter.
Kommen wir wieder zurück zu Flame. Mit einem Führpferd in unseren Fall mit Diego geht es in aller Ruhe zuerst zu jenen Wegen und Plätzen die Flame später auch ohne seinen Bezugspersonen aus der Familie mit den Stallpersonal gehen soll. Die Erkundung der Umgebung geschah wieder ruhig und ohne Hektik. Flame bekam ausreichend Zeit und Möglichkeit die Umgebung mit allen Sinnen zu erfassen. Als wir diese Phase geschafft hatten begann der nächste Schritt in Richtung Bodenarbeit.