Maksida Vogt hat mit "Befreie dein Pferd - Befreie dich selbst" vermutlich eines der polarisierendsten und provokantesten Bücher zum Thema Reiten und Pferdehaltung geschrieben, die es am Markt gibt - "Schwachsinn", sagen die einen, "endlich mal jemand, der die Wahrheit schreibt", sagen die anderen.
Man muss nicht mit ihr übereinstimmen, aber ich finde, man sollte es gelesen haben. Schon alleine deshalb, weil es sehr mutig war, sich mit diesen Thesen an die Öffentlichkeit zu wagen.
Was Maksida Vogt tut, ist so einfach wie wirkungsvoll: sie demontiert unseren gewohnten Umgang mit Pferden.
Zentrum ihrer Betrachtungen ist die Frage, ob Pferde geritten werden wollen/sollen und was das Reiten dem Pferdekörper zufügt. Was würde passieren, wenn ich mich ohne Sattel und Zaumzeug mit meinem Pferd einlasse, was würde es mich lehren, was würde ich entdecken? Und welche Gründe habe ich als Mensch überhaupt, auf ein anderes Lebenwesen zu klettern, um mich durch die Gegend tragen zu lassen? Was gibt mir das Recht, einem anderen Lebewesen vorzuschreiben, wie es sich zu bewegen hat?
Warum darf ich einfach so Eisen auf Pferdehufe nageln und was passiert dadurch eigentlich im Pferdekörper? Warum braucht mein Pferd überhaupt Eisen? (Die Antwort auf die Frage ist hauptsächlich, wenn wir ganz ehrlich sind, dass es damit uneingeschränkt zur Verfügung steht für unsere reiterlichen Wünsche.)
Wie gesagt, man muss ihre Ansichten nicht teilen, aber ich finde, man sollte sich zumindest Gedanken machen über diese Fragen. Denn Pferde werden nicht mit Sattel und Zaumzeug geboren, sie sind nicht zum Reiten geschaffen. Und trotzdem tun wir das Tag für Tag. Sich ein bisschen mehr bewusst zu werden, dass das keineswegs nur Vorteile hat für das Pferd, kann nicht schaden. Ein bisschen mehr Demut gegenüber dem Lebewesen, das uns so geduldig trägt, würde vielen von uns mehr als guttun.
Zweifelsohne ein Buch, dass zum Nach- und vielleicht auch Umdenken anregt. Wenn man ihm eine Chance gibt und sich öffnet für die doch so anderen Ansichten. Und nicht vergessen: "weil das schon immer so gemacht wurde" ist kein konstruktives Argument, sondern ein Totschläger.
