27.11.2015

Into the Wild

Auf halbem Weg zu unserem "richtigen" Ausreitgebiet liegt das sogenannte Waldviereck. Im Grunde handelt es sich um ein Überbleibsel der ehemaligen Vielseitigkeitsstrecke: um das kleine Waldstück herum führt ein mal mehr, mal weniger breiter Weg, innerhalb dessen schmalere Pfade zwei Zirkel formen; für die Springfreudigen stehen eine Mauer aus alten Tagen und ein paar kleinere feste Hindernisse sowie ein frei positionierbares Cavaletti zur Verfügung. 
Ich nutze das Waldviereck gerne in meinen Stunden, weil es viele Vorteile bietet.

Die Pferde lernen, sich auf unebenem Boden in den verschiedenen Gangarten auszubalancieren und sich zu konzentrieren, wenn es "querfeldein" über Wurzeln, unterschiedlich beschaffene Böden und oft auch in Schlangenlinien um die Bäume herum geht. Vom Menschen ist neben Konzentration vor allem Timing und Fokus gefragt, denn je enger die Bäume beieinander stehen, desto präziser muss das Pferd hindurchmanövriert werden - egal, ob vom Sattel aus oder an der Hand. Der für die Pferde oft monotone Alltag in Halle oder Bahn wird aufgelockert und sonst eher abstrakte Dressur- oder Bodenarbeitslektionen bekommen plötzlich eine konkrete Bedeutung. Pferd und Mensch müssen sich aufeinander einlassen und zusammenarbeiten.
Sich durch diesen kleinen Ausflug langsam an die "große Freiheit" hinterm Stall herantasten und sich so Schritt für Schritt aufs spätere Ausreiten vorbereiten zu können, ist von unschätzbarem Wert. Da das Waldviereck in relativer Nähe zum Stall, auf jeden Fall aber noch im Bereich der äußeren Koppeln liegt, gehört es für viele Pferde gerade noch zu ihrer Heimat, ist aber auch schon so viel "Wildnis", dass es eine kleine Herausforderung darstellt. Trotzdem müssen die Pferde nicht gleich alle Sicherheit aufgeben, wenn sie mit ihrem Menschen ins Gelände sollen. Für die bereits Mutigeren schließt unmittelbar ans Waldviereck eine ganz kleine Ausreitrunde an, die auch zu Fuß problemlos bewältigt werden kann.
Und, nebenbei erwähnt, ist das Waldviereck im Sommer angenehm kühl - was Pferd und Mensch gleichermaßen zu schätzen wissen.

Die Fotos zeigen Christine und Diego beim Üben. Die zwei sind mittlerweile richtige Routiniers am Waldviereck, obwohl es anfangs mit Diego alles andere als einfach war im Gelände - schon solche "Kleinigkeiten" wie Zweige, die an den Beinen streifen, oder unter den Hufen knackende Äste konnten ihn ziemlich aus dem Konzept bringen. Inzwischen ist das kein Thema mehr und die beiden versuchen sich schon an längeren Trabstrecken.