03.12.2016
HorseFriendShip-Adventkalender 2016 - 3. Türchen
Ganzheitlich, dh fachgebietsübergreifend, ist hier das Stichwort. Aus ihrer langjährigen Praxis hat Karin Kattwinkel 15 Fallbeispiele ausgewählt, die illustrieren sollen, wie bereits aufgegebene oder als austherapiert abgestempelte Pferde mit fachkundiger Rundumbetreuung wieder zurück ins Leben finden. Es ist spannend, den ganz individuellen Weg des jeweiligen Pferdes mitzuverfolgen und zu sehen, was alles erreicht werden kann, wenn Tierarzt, Hufschmied/pfleger, Sattler, Trainer und Besitzer wirklich Hand in Hand arbeiten.
Die Betrachtung eines Problems aus einem isolierten Blickwinkel heraus führt nur selten zum Ziel, Perspektivenwechsel ist gefragt, weil das Spektrum der Möglichkeiten dadurch deutlich erweitert wird. Und genau deshalb ist es für Pferdebesitzer so wichtig, die Möglichkeiten der unterschiedlichen Fachgebiete zu kennen, um gegebenenfalls mehrere Experten zu Rate ziehen zu können. Dass man selbst nicht in jedem Gebiet mit Wissen glänzen kann, ist selbstverständlich. Aber man kann sich interessieren, was es überhaupt so gibt, kann die grundlegenden Zusammenhänge ergründen und auf dieser Basis für sein Pferd dann im Fall des Falles entsprechende Entscheidungen treffen.
Dieses Buch fordert dazu auf, sich als Pferdebesitzer zu interessieren. Ja, da hat man dann durchaus einiges zu lernen. Und ja, ich finde, das ist man seinem Pferd durchaus schuldig. Man muss nicht selbst Veterinärmedizin studieren, aber man kann sich zB grundlegende Kenntnisse der Anatomie aneignen, man kann sich ein bisschen mit Hufbeschlag und Hufstellung und deren Auswirkung auf das gesamte Pferd beschäftigen, man kann sich überlegen, wie das alles zusammenhängt und wie sich die von uns geschaffenen Lebensbedingungen inklusive der von uns gewählten Reitweise auf den Gesamtorganismus Pferd auswirken. Weil ein Pferd nunmal ein Lebewesen ist und kein Fahrrad. Für letzteres muss ich mich nicht zwingend in seiner Gesamtheit interessieren, weil sein Körper durch meine Maßnahmen (oder unterlassenen Maßnahmen) keinen Schaden nimmt. Zumindest keinen, den das Fahrrad selbst spüren kann. Der Schaden wirkt sich eher auf meinen Geldbeutel oder meine eigene Gesundheit aus, aber das ist dann mein Problem. Beim Pferd ist das ganz anders.
