Obwohl ich selbst dem Islandpferd mit Haut und Haaren verfallen bin und das Gangreiten als faszinierende Herausforderung ansehe, war ich zugegebenermaßen nicht gerade begeistert, als das Buch 2014 erschienen ist. Das meiste, was man so über Islandpferde zu lesen kriegt, ist meiner Meinung nach eher entbehrlich. Ein Großteil der angebotenen Bücher beschränkt sich auf ein Rasseportrait und mehr oder weniger oberflächliche Aspekte des Gangreitens. Manche beinhalten auch "interessante" Ansichten zum Thema Training, womit sie sich selbst ins Aus stellen. Entsprechend gering ist die Auswahl an islandpferdespezifischen Büchern in meinem Regal.
Heuer hat sich Bruno Podlechs Buch dann aber doch einen Platz in selbigem erkämpft, es war sozusagen Liebe auf den zweiten Blick.
Der inzwischen verstorbene Bruno Podlech und sein renommiertes Islandpferdegestüt, der Wiesenhof, sind natürlich bekannte Größen in der Islandpferdeszene, nicht zuletzt deshalb, weil der Wiesenhof viele hochkarätige Sport- und Zuchtpferde hervorgebracht hat, die auch auf internationalem Parkett hohes Ansehen genießen.
Bruno Podlech hat mit seinem Buch einen breitgefächerten Einblick in seine Philosophie gegeben, er widmet ausführliche Kapitel dem Thema Zucht und Hufbeschlag und beschäftigt sich eingehend mit der Gangverteilungsskala beim Islandpferd. Das alles ist interessant, keine Frage, handelt es sich dabei doch um Wissen, das im Lauf eines Lebens von und mit Pferden entstanden ist. Absolut faszinierend ist aber das im Buch vorgestellte Ausbildungskonzept: Den Endpunkt bildet hier nicht, wie sonst so oft üblich, das in allen Gängen spektakulär laufende Pferd (auch wenn reitweisentypisch darauf natürlich viel Wert gelegt wird). Es wird vielmehr darauf hingearbeitet, ein in allen 5 Gängen ausbalanciertes Pferd unter dem Sattel zu haben, das sowohl physisch als auch psychisch im Gleichgewicht ist.
Ja, das ist ein Anspruch, den viele Ausbildner und Reitweisen propagieren, die Realität sieht allerdings leider viel zu oft ganz anders aus. Und bei Podlech? Für ihn waren das offensichtlich nicht nur schöne Worte, denn er widmet ein ganzes Kapitel dem Reiten ohne Sattel und Zaumzeug als Krönung der gemeinsamen Arbeit. Und zwar in allen 5 Gängen. Gespickt mit großartigen Fotos von wirklich ausbalancierten Pferden in schöner Selbsthaltung, deren hochweite Bewegungen offenbar nicht wie sonst so oft üblich "von Hand gemacht" sind. Deshalb hat es auch einen Platz in meinem Bücherregal bekommen.
Jemand, der hochkarätige Sportpferde in allen 5(!!) Gangarten ohne Sattel und Zaumzeug reiten kann, hat definitiv etwas zu sagen. Und er hat definitiv etwas verstanden.
