Pferde haben ja ganz oft eine große Aufgabe im Leben ihrer Besitzer: Traumpferd sein. Klingt einfach? Ich glaube, es ist eine nur sehr schwer zu bewältigende Herausforderung, vor allem für ein Lebewesen, das die Beweggründe dafür nicht verstehen kann. Das sich so genügt, wie es ist und das auch andere so nimmt, wie sie sind.
Wir Menschen aber wollen Träume erfüllt haben, das war bei mir nicht anders, als ich Njörður gekauft habe. Träume an sich sind nichts schlechtes, es wird nur dort schwierig, wo wir sie einem anderen Lebewesen (sei es nun Pferd oder Mensch) überstülpen. Vor allem dann, wenn das Konstrukt der Realität nicht standhält und ein Schuldiger gefunden werden muss. Das geht dann meistens zulasten des Pferdes: entweder wird mit allen Mitteln versucht, es passend zu machen, oder es wird gegen ein anderes getauscht.
Plötzlich ist es mit der anfänglichen Liebe zum Pferd nicht mehr so weit her. Natürlich ist es immer schwierig, mit einer Enttäuschung umzugehen und nicht immer schafft man es, seine Träume loszulassen. Was man aber immer tun kann: hinterfragen, warum man etwas so dringend zu brauchen glaubt (sei es der Sieg auf einem Turnier, ein Wanderritt oder die perfekte Traversale) und versuchen, herauszufinden, ob dieser Wunsch wirklich aus einem selbst kommt oder vielleicht doch mehr von außen suggeriert wurde. Dass Träume nicht realisiert werden können, ist in den allerwenigsten Fällen dem Pferd anzulasten, vielmehr macht es sich bezahlt, sich selbst genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist kein angenehmer, bequemer Weg, aber er ist der einzige, der Fairness gegenüber dem Pferd zulässt.
Auch ich war vor Jahren an einem Punkt angekommen, an dem mir ein Verkauf von Njörður der einzige Weg zu sein schien. Schlussendlich brachte ich es aber doch nicht übers Herz, ich bin einfach nicht der Typ, der ein Lebewesen einfach so wieder abgibt, wenn es schwierig wird. Ich ließ mich also auf Njörður ein, unterzog meine Vorstellungen einer kritischen Begutachtung, und gab ihm so die Chance, mein Traumpferd zu werden. Mein Traumpferd auf den zweiten Blick.
Der Weg, den wir miteinander bis jetzt gegangen sind, war definitiv kein einfacher, auch wenn es sich jetzt so anhört. Dieses sich-auf-Njörður-Einlassen und vor allem das Hinterfragen der eigenen Träume und Wünsche wurde oft genug begleitet von Tränen und Verzweiflung. Trotzdem möchte ich heute keinen Schritt dieses Weges missen.



