12.12.2017

HorseFriendShip-Adventkalender 2017



Im Gleichschritt in die selbe Richtung unterwegs, so wie hier im Bild - so wünscht man sich idealerweise die Zusammenarbeit mit einem Trainer. Meistens jedoch wird bei dieser Dreier-Konstellation einer außen vorgelassen: das Pferd. Ich habe für Njörður und mich lange Zeit einen passenden Trainer gesucht, bei dem genau das eben nicht der Fall ist. Gefunden habe ich ihn aber erst, als ich schon zu suchen aufgehört hatte.



Ich war, um ehrlich zu sein, ziemlich enttäuscht vom herrschenden Angebot. Ja, es gab vieles, das auf den ersten Blick vielversprechend geklungen hat, aber die Praxis war dann meistens doch ernüchternd. Da gab es Trainer, die auf jahrzehntelange Erfahrung mit Pferden zurückblicken konnten, die diverse Ausbildungen absolviert und sich in der Szene einen Namen gemacht hatten. Gepasst hat keiner davon. Die meisten waren schon damit überfordert, nicht das Pferd verändern zu wollen, sondern den Fokus auf den Menschen zu legen. Ich weiß nicht, wieviele Trainer mir erklärt haben, was Njörður angeblich alles "muss". Eines der befremdlichsten Erlebnisse war wohl, als eine Trainerin gleich bei unserer allerersten Begegnung festgestellt hat: dieses Pferd muss gelassener werden, es muss die Dinge quasi einfach über sich ergehen lassen. Warum? Weil Njörður irritiert zurückgewichen war, als sie frontal auf ihn zugetorkelt kam, um ihm dann einfach so um den Hals zu fallen. Das wäre sogar mir als Mensch zu viel gewesen, aber sie wollte mit diesem Beispiel illustrieren, dass Njörðurs Gelassenheit zu wünschen übrig lässt.

Ich habe irgendwann nicht mehr akzeptiert, dass Pferde ständig irgendetwas müssen und dass sie in Schablonen gepresst werden, die keinen Platz für Individualität lassen. Und ich habe auch nicht mehr akzeptiert, dass die Ausbildung des Menschen viel zu kurz kommt und die Mehrheit der Arbeit beim Pferd liegt. Njörður hat einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen, denn durch ihn habe ich gelernt, wie wichtig es ist, einen wirklich für jede Pferd/Mensch-Kombination maßgeschneiderten Weg zu finden. Es gibt nicht DIE Methode, DIE Technik, aber des gibt genau DAS eine Pferd-Mensch-Paar mit seiner ganz eigenen Beziehung und Energie. Und dazu muss das Training passen. Und nicht umgekehrt. Je früher ich das in meiner Laufbahn als Trainer verstanden habe, desto besser. Denn dann wird auch klar, warum eine quasi lebenslange Fortbildung unerlässlich ist: je mehr Werkzeug ich in meinem Koffer habe, desto größer die Chance, dass für die jeweilige Situation das geeignete dabei ist; viele einzelne Puzzlesteine ergeben irgendwann ein großes Gesamtbild, der eigene Blick wird weiter und umfassender, denn alles hängt bekanntlich mit allem zusammen; je mehr ich gesehen und ausprobiert habe, desto eher weiß ich, was mir liegt und was nicht und kann entsprechend auch Schüler ablehnen, wenn es nicht passt, ohne vorher das Pferd zwingen zu wollen, mir und meinen Ansichten zu entsprechen.

Mir ist natürlich bewusst, dass es eine schwierige Gratwanderung als Trainer ist, Pferd und Mensch einander soweit anzunähern, dass eine für beide Seiten gewinnbringende Arbeitsatmosphäre entsteht. Und natürlich ist ein vorgefertigtes Schema an Techniken weit einfacher zu unterrichten, denn ich als Trainer muss damit nie "out of the box" denken, ich muss mich nicht mit einen eigenen Grenzen und Defiziten auseinandersetzen, sondern kann ganz bequem die Fehler beim Pferd suchen, wenn etwas nicht funktioniert; es ist auch das, was die meisten Reiter wünschen, denn Techniken zu erlernen ist weitaus einfacher als tatsächlich Gefühl für sich und sein Pferd zu entwickeln und im Bedarfsfall auch mal kreativ zu werden.Ich selbst unterrichte lang genug, um zu wissen, dass meine Ansprüche an einen guten Trainer sehr hoch geschraubt sind. Und doch glaube ich, dass es nicht unmöglich ist. Immerhin habe ich ja schlussendlich auch jemanden gefunden.