21.12.2017
HorseFriendShip-Adventkalender 2017
Ich glaube grundsätzlich an die Macht der Worte: wie ich über etwas oder jemanden spreche, drückt mein Verhältnis dazu aus. Es macht beispielsweise einen Unterschied (zumindest für mich), ob ich von einem "Gaul" oder einem "Pferd" spreche.
Entsprechend wichtig finde ich demnach auch Namen. Und grade in Bezug auf Njörður habe ich mich in letzter Zeit oft gefragt, wie das denn für ein Pferd so ist mit seinem Namen und dem, was dahintersteht. Ein nicht unwesentlicher Aspekt in dem Zusammenhang sind sämtliche Spitznamen und Verniedlichungen.
Njörður hat von mir ja eine Vielzahl an Namen bekommen: Njörðinchen, Njörðette, Njörðine, Poninchen sind ein paar davon, manchesmal heißt er aber auch scherzhaft Ratte, Monster oder schlichtweg das Pony. Früher war er ganz oft das Hasi-Pferd. Und wenn ich auch keinen dieser Namen böse meine, frage ich mich doch, was bei meinem Pferd ankommt, wenn ich den einen oder anderen verwende. Natürlich wird er nicht das Wort an sich verstehen, wohl aber (davon bin ich überzeugt) die Intention, die dahintersteht. Und das macht etwas mit einem Lebewesen.
"Hasi-Pferd" beispielsweise ist entstanden, weil Njörður oft ängstlich auf Neues reagiert. Genauer betrachtet, schwingen zwei Komponenten mit: Njörður wird verniedlicht und damit klein, unselbständig und hilfsbedürftig gemacht, und zum anderen wird seine Unsicherheit betont. Zudem drückt dieser Spitzname aus, dass ich ihm nicht zutraue, mit neuen Situationen fertigzuwerden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass das überinterpretiert ist, aber ich denke trotzdem, dass gerade sehr feine Lebewesen solche Dinge durchaus spüren und dass ihre Persönlichkeit dadurch mitgeformt wird.
"Njörðine" wiederum bewegt sich auf einer ganz anderen Ebene. Wenn ich Njörður so nenne, nehme ich ihn nicht ganz ernst, ich mache ihn damit ein Stück weit lächerlich, zumal dieser Spitzname entstanden ist, weil er durch die hellen Nüstern und die tiefschwarze Umrandung derselben bzw auch an den Augen aussieht, als ob er geschminkt wäre.
An sich sollen Spitz- und Kosenamen ja gerade die Zuneigung zu dem anderen Lebewesen ausdrücken, böse gemeint sind sie selten. Trotzdem frage ich mich, welchen Gefallen ich Njörður tue, wenn ich ihn als generell eher unsicheres Pferd durch sie noch mehr verniedliche und damit klein mache. Und es prägt natürlich auch die Art und Weise, wie ich ihn sehe und über ihn denke. Was wiederum ihn beeinflusst.
Eines ist unbestreitbar: durch den Namen, den ich einem Lebewesen gebe, baue ich eine Beziehung zu ihm auf. Es wird erst für mich durch einen Namen, eine Bezeichnung zu dem einen unter vielen, es wird unverwechselbar. Insofern glaube ich auch, dass Namen mehr Bedeutung haben, als man glaubt.

