06.12.2017

HorseFriendShip-Adventkalender 2017

 


Imke Spilker schreibt in ihrem Buch "Selbstbewusste Pferde":
'Pferde mögen es harmonisch. Sie haben eine Vorliebe für genau aufeinander abgestimmte soziale Verhaltensweisen. Jeder nimmt die Anregung des anderen auf, schließt sich dem Tun des Freundes an, und so entsteht eine körperliche Verbundenheit, ein einheitliches Bild. Pferde haben einen ausgeprägten Sinn für harmonische Bewegungsabläufe. Sie handeln gemeinsam, pflegen sich gegenseitig, motivieren einander und laufen zusammen - es ist das Prinzip der Herde.'

Wer genau hinschaut, sieht auf dem oberen Bild zwei Pferde, die im Gleichklang laufen. Nahezu synchron bewegen sich Listi und Njörður in diesem Moment, sie sind eins. 
Je mehr ich mich mit Njörður vom Boden aus beschäftigte, desto mehr fielen mir solche scheinbaren Kleinigkeiten auf und ich begann, mein Augenmerk vermehrt darauf zu legen. Die Resonanz, die Verbindung zwischen zwei Pferden, die solche Momente des einheitlichen Bewegungsablaufs zweier Individuen ermöglicht, begann mich zu faszinieren. Was die Pferde untereinander hatten, wollte ich mit Njörður auch erleben. Vor allem meine beiden Pferde hatten oft solche Momente, sie standen sich sehr nahe, ihre Körper waren aufeinander abgestimmt.

Auf unseren Spaziergängen hatte ich genügend Zeit und Ruhe, mich so sehr auf Njörður einzustellen, dass es uns auch gelang, im gleichen Rhythmus zu wandern. Was dabei entsteht, ist absolut faszinierend. Wer in der Lage ist, feine Energien wahrzunehmen, wird bemerken, wie sich ein unsichtbares, aber starkes Band spannt zwischen den beiden Körpern, die im Gleichklang schwingen. Richtungs- und Tempowechsel werden auf diese Weise mühelos, der eine nimmt den anderen förmlich mit.
Die gemeinsame Bewegung ist nichts, was man erzwingen oder künstlich herbeiführen könnte. Man kann sich nur auf den anderen ein- und sich von ihm mitnehmen lassen. Es war also nicht möglich, Njörður durch irgendwelche Hilfen dazuzubringen, sich meinem Rhythmus anzupassen. Den ersten Schritt musste schon ich machen: ich musste mich ihm anpassen. Ich glaube, dieses Zugeständnis hat ihm eine Menge bedeutet. Zum vielleicht ersten Mal in seinem Leben mit Menschen war nicht er derjenige, der sich dem Willen eines andere beugen und tun musste, was verlangt wurde, es gab keine Anforderungen an ihn. Vielmehr war plötzlich der Mensch derjenige, der zu folgen begann und sich von ihm führen ließ. Heute bin ich der Meinung, dass dieses Miteinander-Bewegen unsere Beziehung nachhaltig verbessert hat. Viel mehr, als es jede Technik, die angeblich Pferdeverhalten imitieren soll, je gekonnt hat.

Wir sind am Anfang viel zusammen gegangen, nicht nur auf unseren Spaziergängen. Manchesmal sind wir auch einfach nur so in der Halle herumgewandert, und ich habe mich Njörður angeschlossen, während er den Raum erkundet hat. Mittlerweile sind wir so eingespielt, dass wir solche Momente der synchronen Bewegung auch erleben, wenn wir zusammen arbeiten. Es freut mich dann immer besonders, wenn ich uns auf den Fotos sehe, wie wir wirklich gemeinsam Aufgaben im wahrsten Sinn des Wortes angehen.

Um noch einmal Imke Spilker zu zitieren:
'Das harmonische Zusammenspiel freier Wesen lässt etwas Neues entstehen. Ein Mehr an Energie, das für jeden plötzlich spürbar wird.'