Ich habe Njörður gekauft, weil ich reiten wollte. Dass einmal Reiten nicht mehr der zentrale Punkt in der Beschäftigung mit einem Pferd sein könnte, war damals für mich unvorstellbar. Pferde waren automatisch mit Sattel und Zaumzeug verbunden, das Reiten ein absolut wesentlicher und unverzichtbarer Teil meines Lebens. Wenn ich so zurückschaue, lässt sich eines ganz klar sagen: das Reiten war wichtiger als das Pferd an sich.
Mit Njörður wurde alles anders. Vor sieben Jahren habe ich entschieden, ihn überhaupt nicht mehr zu reiten, es sei denn, er würde mir irgendwann auf eine unmissverständliche Art signalisieren, dass er dazu bereit ist. Unterstützung oder gar Verständnis fand ich dabei kaum, aber Njörður hat mir immer wieder sehr deutlich gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war. Für ihn war es vermutlich ein großes Geschenk, sich mit diesem Bereich nicht mehr auseinandersetzen zu müssen. Er hat sich für mich bemüht, so gut er konnte, aber glücklich war er unterm Sattel nie. Es gab Tage, an denen es gut war, aber es gab auch nach Jahren immer noch Tage, an denen alleine das Satteln schon ein Problem für ihn dargestellt hat.
Unser Weg lässt sich gut anhand der Fotos nachvollziehen, die im Lauf der fünf Jahre, die ich ihn geritten bin, entstanden sind. Sie sind absichtlich so gewählt, dass sie nicht nur die schönen Momente zeigen, denn sie sollen ja realistisch die Situation wiederspiegeln. Ich glaube, unsere Hauptthemen werden deutlich: Balance, Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Körpers, Probleme mit Gebiss und Anlehnung, fehlende Losgelassenheit - um nur einige zu nennen. Es gab, vor allem am Anfang, kaum eine Verbindung zwischen Mensch und Pferd und obwohl wir auch später nie zu einer Einheit zusammengewachsen sind, haben wir uns im Lauf der Jahre doch besser miteinander arrangiert.
Schlussendlich wollte ich kein Pferd mehr reiten, das mit dem grundsätzlichen Vorgang schon ein Problem hat und sich nie wirklich entspannen konnte unterm Sattel.
Ein Pferd ist von Natur aus nicht zum Reiten gemacht, dennoch tun wir es. Manche Pferde kommen besser damit zurecht, andere schlechter. Njörður gehört zur zweiten Gruppe und das habe ich akzeptiert. Auch wenn das nur wenige verstehen, würde ich nicht sagen, dass ich damit etwas verloren habe. Ganz im Gegenteil.
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