Pferd-Putzen gehört praktisch zur daily routine eines Reiters - und entsprechend mechanisch wird es meistens auch ausgeführt.
Ich habe vor ein paar Jahren begonnen, Njörður frei zu putzen, ihn also nirgendwo mehr mit Halfter zu fixieren. Das lässt sich in einem konventionellen Stall natürlich nur bedingt realisieren, denn der Gedanke, der dahintersteht, ist so nicht unbedingt ausführbar, wenn normaler Stallbetrieb herrscht. Aber trotzdem, ein kleines bisschen Freiheit war es immerhin für ihn. Jetzt, in unserem neuen Zuhause, haben wir ideale Bedingungen und Njörður kann sich ganz genau das holen, was er braucht, sprich, er kann jederzeit weggehen, wenn ihm das Putzen nicht mehr gefällt. Und er macht durchaus auch Gebrauch davon. Natürlich muss ich ihn manchesmal trotzdem wieder zurückholen, wenn etwas erledigt gehört. Aber generell versuche ich, seine Meinung zu akzeptieren und das nächste Mal mehr auf seine Bedürfnisse einzugehen.
Njörður als Ekzemer zum Beispiel liebt es, gekratzt zu werden. Wo genau, zeigt er mir, indem er sich entsprechend positioniert, wenn ich ihn putze. Wechsle ich zu schnell die Stelle, rückt er einfach so lange nach, bis es wieder passt für ihn. Und wenn er genug hat, geht er. Pferdeleben kann so einfach sein.
Natürlich erfordert diese Art von Putzen eines: Zeit. Eben schnell mal das Pferd fertigmachen für die nächste Trainingseinheit, weil man danach möglichst bald wieder weg muss, ist eine denkbar schlechte Voraussetzung. Bei sieben Tagen in der Woche kann man es aber bestimmt so einrichten, dass man durchaus den einen oder anderen Tag "Putzen fürs Pferd" betreibt.
Das inkludiert allerdings auch die volle Aufmerksamkeit für sein Gegenüber. Tratschen, Telefonieren oder dergleichen sind nicht angebracht. Das ist übrigens ohnehin eine Unsitte, die immer schlimmer wird. Ich finde, das Pferd hat unsere Aufmerksamkeit verdient, wenn wir mit ihm umgehen, alles andere wäre einfach nur respektlos. Denn während der Mensch fröhlich mit einem Miteinsteller tratscht oder am Handy hängt, soll das Pferd bitteschön konzentriert und geduldig alles über sich ergehen lassen. Würde man sein Pferd dabei frei stehen haben, hätte man sehr schnell sehr wenig zu tun, denn es würde einfach gehen. Und ganz ehrlich: würden wir uns so von einem Freund/einer Freundin behandeln lassen, wenn wir uns treffen? Vermutlich nicht.
