16.12.2017

HorseFriendShip-Adventkalender 2017



Pferde sind Herdentiere. Njörður sowieso, weil er noch dazu entsprechend aufgewachsen ist (es ist ja nicht jedem Pferd möglich, in einem Herdenverband groß zu werden). Je mehr Pferde, desto besser - vorausgesetzt aber, es sind die richtigen. Nur weil Pferde grundsätzlich andere Pferde um sich herum brauchen, heißt das nicht, dass man sie in jede x-beliebige Gruppe integrieren kann. Es gibt, wie bei uns Menschen auch, Vorlieben und Abneigungen und nicht jedes Pferd passt automatisch in jede Herde.

Was Njörður betrifft, musste ich mir lange Zeit keine Gedanken machen darüber, ob er wohl in eine Gruppe passt oder nicht, denn er hatte immer seinen besten Freund Listi an seiner Seite. Hätte es also einmal in einer Herde nicht funktioniert, wäre er trotzdem nicht alleine gewesen. Im Fall eines Stallwechsels hat das die Sache natürlich erheblich vereinfacht.
Dieses Jahr haben sich die Vorzeichen diesbezüglich verändert, nachdem wir Listi im vergangenen Herbst über die Regenbogenbrücke gehen lassen mussten und im Frühjahr
ein Stallwechsel geplant war. Ich kannte Njörðurs Verhalten einer neuen Gruppe gegenüber nur immer gemeinsam mit Listi. Letzterer war stets der Chef, egal in welche Herde er kam, und Njörður war sein Schatten. Er war damit immer unauffällig und unkompliziert. Wie es sein würde, wenn er jetzt plötzlich alleine in eine Gruppe integriert werden sollte, konnte ich nicht abschätzen, ich hielt ihn aber weiterhin für eher unkompliziert. Entsprechend staunte ich nicht schlecht, als sich nach nur zwei Tage im neuen Zuhause herauskristallisiert hat, dass Njörður die Führungsposition eingenommen hatte - und das ohne große Kämpfe. Es war fast so, als hätte die Gruppe ihn einstimmig zum Anführer gewählt. Ich muss ehrlich sagen, ich hätte ihm diese Rolle nicht zugetraut, aber wie sich gezeigt hat, hat er sie nicht nur souverän ausgefüllt, sie hat ihm auch ausgesprochen gut getan, was seine Selbstsicherheit betrifft. Es war faszinierend zu beobachten, wie Njörður sich aufgrund der neuen Situation verändert hat.

Zu beobachten, wie sich eine neue Herde formt, ist ausgesprochen interessant. Aktuell lebt Njörður mit zwei weiteren Pferden zusammen, und obwohl es anfänglich etwas gedauert hat, sind sie inzwischen zu einer richtigen kleinen Herde zusammengewachsen, in der jeder seine Aufgaben zu erfüllen hat. Wir Menschen haben vor allem am Anfang darauf geachtet, den Pferden jede Möglichkeit zu geben, zusammenzufinden. Wir wollten ihnen in jeder Hinsicht zeigen, dass sie jetzt eine Herde sind, die zusammengehört und fortan gemeinsam durchs Leben geht. Entsprechend haben wir auch unsere Spaziergänge am Wochenende
darauf abgestimmt und die Pferde nicht voneinander getrennt, sie hatten also auch hier die Möglichkeit, als Herde aufzutreten. Ich glaube, dass es gerade zu Beginn extrem wichtig ist,
dass der Mensch die Bildung der neuen Gruppe nach Möglichkeit nicht stört. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, würde ich die ersten ein oder zwei Wochen das neue Pferd nicht aus der Gruppe holen. Immerhin geht es darum, dass mein Pferd sich so gut und so stressfrei wie möglich integrieren kann und je leichter ich ihm das machen kann, desto besser. 

Njörður und ich haben mit unserem neuen Zuhause großes Glück gehabt - Pferde und Menschen sind in kürzester Zeit zu einer gut funktionierenden Herde zusammengewachsen. Wir klauen dem aus 'Ice Age' bekannten Faultier Sid die Worte und behaupten: Wir sind die krasseste Herde, die es gibt! Herde gut, alles gut.