19.12.2017
HorseFriendShip-Adventkalender 2017
Vermutlich gibt es bei Njörður und mir nichts, das nicht zumindest ein bisschen anders gehandhabt wird, als es in der Pferdewelt allgemein üblich ist. Unsere Art zu longieren gehört mit Sicherheit dazu.
Angefangen haben wir hier eigentlich ganz normal: mit Kappzaum. Im Lauf der Jahre hat sich aber das 'halbfreie' Longieren entwickelt, wobei zwei Gedanken in dem Fall maßgeblich waren: Zum einen wollte ich möglichst wenig Equipment am Pferd haben, weil ich ihm die Möglichkeit geben wollte, ohne störenden oder 'korrigierenden' Einfluss von außen seinen Körper spüren zu können und zu lernen, mit diesem umzugehen. Zum anderen war ich gezwungen, eine Alternative zum Kappzaum zu finden, da eine Zeit lang die Arbeit an der Longe auch dazu gedient hat, seine Lunge durchzuputzen und ihm ein Abhusten zu ermöglichen. Letzteres geht aber nicht mit einem festsitzenden Kappzaum.
Irgendwann habe ich also begonnen, Njörður nur mit einem Strick um den Hals zu longieren. Ich habe schnell festgestellt, dass diese Art, mit ihm zu arbeiten, enorm viel von mir fordert. Denn plötzlich habe ich keinen Kappzaum mehr, mit dem ich den Kopf positionieren und damit den restlichen Körper beeinflussen und im schlimmsten Fall auch kontrollieren kann. Mit der Longe um den Hals sind die Einwirkungsmöglichkeiten minimal.
Njörður fand die neue Version des Longierens sofort spannend, zumal endlich auch der Mensch wirklich gefordert war. Ohne Konzentration geht in dem Fall nämlich gar nichts, wenn ich nicht zu 100% bei ihm und mit ihm bin, gelingt wenig bis gar nichts.
Denn eine weitere Besonderheit meines Longierens ist, dass ich nicht statisch auf einem Fleck stehe, während das Pferd um mich herumläuft und stupide seine Kreise zieht. Mein Longieren ist dynamisch, wir bewegen uns dabei über den gesamten zur Verfügung stehenden Platz, bauen mal hier, mal dort einen Zirkel ein, dazwischen gehts geradeaus, dann wieder auf eine Volte, später vielleicht auf einen Zirkel am zweiten Hufschlag etc. Während es mit einem Kappzaum ein leichtes wäre, das Pferd noch schnell im letzten Moment auf eine Volte zu ziehen, braucht man über diese Möglichkeit mit nur einem Strick um den Hals nicht einmal nachdenken, vor allem dann nicht, wenn man gerade im Trab oder gar Galopp unterwegs ist. Entweder man ist als Mensch voll und ganz bei der Sache und hat eine Verbindung zum Pferd, oder man wird den Kürzeren ziehen. Ich kann in dem Fall nur mit dem Pferd zusammenarbeiten, ich brauche die Verbindung zwischen uns und die Bereitschaft des Pferdes, sich auf mich und auf meine Vorschläge einzulassen. Umgekehrt muss ich mich aber genauso auf das Pferd einlassen können, ich muss spüren und respektieren können, wenn etwas nicht möglich ist, ich muss flexibel und schnell reagieren können. Einfaches an-der-Longe-Ziehen funktioniert nicht, ich muss schon mit allem arbeiten, das mir zur Verfügung steht. Und das bin in erster Linie ich selbst: mein Körper, meine Gedanken, meine Energie. Aber genau das ist eine Sprache, die Pferde verstehen und mit der sie etwas anfangen können.
Es ist einfach absolut faszinierend, das Pferd durch die Longe hindurch zu spüren, mit ihm so in Resonanz zu gehen, dass selbst im Galopp Volten möglich sind nur durch die Drehung meines Körpers und einer ganz minimalen Spannungsveränderung in der Hand, die die Longe führt.
Wenn Njörður und ich auf diese Weise arbeiten, fühlt sich das manchesmal wie Magie an.
