Als Njörður 2005 zu uns kam, war Listi bereits 10 Jahre lang fixer Bestandteil meines Lebens. Am Anfang hatten wir die beiden in unterschiedlichen Gruppen untergebracht, aber meine Mutter beharrte darauf, sie zusammenzustellen. Bereits nach kurzer Zeit hat sich das als hervorragende Idee erwiesen, denn Listi und Njörður wurden die besten Freunde und blieben es auch für die nächsten 11 Jahre.
Das Bemerkenswerte an dieser Freundschaft war, dass sie auf Gegenseitigkeit beruht hat. Während Klaufi und Listi eine Zweckgemeinschaft geführt hatten, entstand zwischen Njörður und Listi eine viel engere Beziehung. Ich hatte Listi bis zu dem Zeitpunkt eher als Einzelgänger kennengelernt, der Pferdegesellschaft zwar schätzt, aber nicht unbedingt braucht. Entsprechend waren auch Aktivitäten wie Fellkraulen oder gar Spielen bei Listi eine absolute Seltenheit. Das änderte sich, als er Njörður kennenlernte. Njörður hat es sogar fertig gebracht, mit Listi gemeinsam aus einer Futterschüssel fressen zu dürfen. Kein anderes Pferd hatte jemals dieses Privileg.Die Beiden haben im Lauf der Jahre vieles zusammen erlebt, das sie noch enger zusammenwachsen hat lassen. Sie haben aufeinander aufgepasst, wenn sie in eine neue Herde gekommen sind und waren füreinander da, wenn einer krank war und Boxenruhe verordnet bekommen hat. Und während Njörður dafür gesorgt hat, dass Listi etwas offener für Sozialkontakte mit anderen Pferden wurde, hat Listi seinem "kleinen Bruder" ein wenig von seiner Coolness abgegeben.
Sie waren ein gutes Team, das gerne und oft gemeinsam aufgetreten ist, aber trotzdem waren sie selbständig genug, dass es nie ein Problem war, mit jedem auch einzeln etwas zu unternehmen.
Da Listi um 10 Jahre älter war, war vorauszusehen, dass er uns vor Njörður verlassen würde. Ich wollte, dass die Zwei auch diesen letzten Weg gemeinsam gehen können, es war mir wichtig, dass Listi seinen Freund bei sich hat, wenn es so weit ist und umgekehrt wollte ich Njörður die Möglichkeit geben, zu verstehen, was mit seinem "großen Bruder" passiert. Und so hat Njörður letzten Herbst Listi bis zum Beginn der Regenbogenbrücke begleitet und sich dort von ihm verabschiedet. Wie echte Freunde das eben so machen.


