Nachdem ich aufgehört hatte, Njörður zu reiten, suchte ich nach einer Möglichkeit, eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Das Naheliegenste war Bodenarbeit nach den Prinzipien des Natural Horsemanship, und nach längerer Suche fand ich sogar einen Trainer, der bereit war, vornehmlich an mir zu arbeiten anstatt darauf zu fokussieren, was Njörður angeblich alles können muss. Trotzdem kamen wir nicht wirklich weiter. Njörður ließ zwar alles brav über sich ergehen, so richtig mit dabei war er jedoch nicht. Ich hatte immer den Eindruck, er würde sich geistig verschließen, sobald wir Reitplatz oder Halle betreten. Ich wäre bereit gewesen, ein deutliches Nein von ihm jederzeit zu akzeptieren, doch so weit waren wir damals noch nicht und Njörður konnte diese Möglichkeit nicht in Betracht ziehen.
Also beschloss ich, alles komplett anders zu machen und jeglichen Anspruch aufzugeben. Wir begannen mit unseren Spaziergängen.
Njörður hatte auch weitestgehend Mitspracherecht bei der Auswahl der Wege. Ich wollte, dass wir uns endlich auf einer Augenhöhe begegnen können, ich wollte nicht immer diejenige sein, die sagt, wo es lang geht und was gemacht wird. Ich wollte vielmehr, dass er merkt, seine Meinung wird respektiert, er darf sie äußern.
Mit seinem Pferd auf diese Weise unterwegs sein zu können, ist ein großes Geschenk. Aber es bedeutet auch eine Menge Verantwortung, ich muss voll konzentriert sein und mein Pferd jederzeit spüren können, weil es mir möglich sein muss, sofort zu reagieren. Das ist allerdings auch ein sehr heilsamer Rollenwechsel, wenn einem das bewusst wird. Denn normalerweise verlangen wir genau das ja von unserem Pferd, wenn wir mit ihm arbeiten, während wir mit allerhand anderem beschäftigt sind.

