09.12.2017
HorseFriendShip-Adventkalender 2017
Die Pferdewelt bietet inzwischen eine Vielzahl an Methoden und Techniken, die eine bessere Kommunikation mit dem vierbeinigen Partner versprechen, weil sie Pferdeverhalten imitieren. Das ist natürlich ein verlockender Ansatz, und auch ich habe mit Njörður versucht, auf diesem Weg weiterzukommen. Sein Feedback war allerdings ernüchternd. Und so nach und nach habe ich seine Kritikpunkte dann auch verstanden.
Pferde sind Pferde und Menschen sind Menschen. Natürlich ist es unsere Pflicht als Pferdebesitzer, uns mit den spezifischen Bedürfnissen des Pferdes auseinanderzusetzen, um ihm geben zu können, was es braucht. Es macht aber absolut keinen Sinn für die Pferde, von ihnen abgeschautes Verhalten zusammenhanglos und stereotyp in einer Trainingseinheit anzuwenden. Der Herdenchef übt ja auch nicht einfach so Rückwärts-Richten mit den anderen, sie müssen nur dann weichen, wenn es einen tatsächlichen Grund gibt. Aber ganz ehrlich, wir haben meistens keinen triftigen Grund, unser Pferd rückwärts von uns wegzuschicken, üblicherweise tun wir das, weil es ein Bestandteil einer speziellen Methode ist oder unser Trainer uns sagt, dass wir es jetzt tun sollen. Für das Pferd macht das keinen Sinn, auch wenn es sich um Pferdeverhalten handelt. Und ganz ehrlich, wieviele von uns stehen wirklich hinter solchen Techniken? Gerade Nähe ist uns Pferdemenschen doch so wichtig. Ich habe oft erlebt, dass gerade das Auf-Abstand-Halten des eigenen Pferdes für viele Menschen ein erhebliches Problem darstellt, weil sie es eigentlich gar nicht wollen. Sie tun das nur, weil sie glauben, das gehört so, das muss so sein. Wenn ich etwas mit meinem Pferd mache, dann sollte ich aber schon auch dahinterstehen können, alles andere ist nur verwirrend für mein Pferd, weil ich nach außen hin etwas kommuniziere, das in meinem Inneren keine Resonanz findet. Pferde aber sind Meister im Spüren, was in ihrem Menschen tatsächlich vorgeht. Njörður war in dem Punkt ganz unmissverständlich: bitte mich nur dann um etwas, wenn du es auch wirklich willst. Alles andere ist Zeitverschwendung.
Sein zweiter großer Kritikpunkt: ich muss nicht versuchen, ein Pferd zu werden, damit er glücklich ist. Ich muss vielmehr versuchen, ich selbst zu werden. Ich kann nur dann ein akzeptables Gegenüber für mein Pferd sein, wenn ich weiß wer ich bin, wenn ich bei mir bin. Das ist die Basis für alles weitere, habe ich sie gefunden, kann ich jede beliebige Technik anwenden und es wird für mein Pferd passen. Da hier zwei Spezies aufeinandertreffen, muss ohnehin eine neue gemeinsame Sprache gefunden werden,die Vorkabeln von beiden Partnern beinhalten wird.
Je besser ich mich selbst kenne und mich akzeptieren kann, wie ich bin, desto angenehmer werde ich als Partner für mein Pferd sein, auch wenn ich vielleicht nicht perfekt 'pferdisch' spreche. Ein ganz wesentliches Beispiel in dem Zusammenhang ist die arg strapazierte Führungsrolle: angeblich muss der Mensch das Pferd dominieren, muss unangefochten der Führer sein, das löst dann alle Probleme. Meiner Meinung nach schafft es aber nur zusätzlich zu den vielleicht schon bestehenden welche, wenn ein Mensch, der an sich nicht dazu geboren wurde, ein Anführer zu sein, genau das werden soll. Kommt dann noch dazu, dass sich dieser Mensch eigentlich auch absolut unwohl in dieser Rolle fühlt, wird alles noch schlimmer. Das Pferd spürt solche Inkongruenzen und wird entsprechend reagieren. Was nach außen hin als widersetzliches Verhalten erscheint, ist eigentlich nur die logische Reaktion auf ein Verhalten, das nicht zu dem Menschen passt.
Ich werde nie ein Pferd sein, es ist also verschwendete Liebesmüh, es zu versuchen. Ich bin ein Mensch und genau als solcher sollte ich meinem Pferd gegenübertreten.
Anstatt also beispielsweise Spiele mit meinem Pferd zu spielen, während es tagein tagaus nicht artgerecht in einer Box ohne Sozialkontakt leben muss, würde es viel mehr Sinn machen, es in eine Herde zu integrieren und dann zu sehen, wie sich das zukünftige Miteinander gestalten kann.
Eines kann ich versprechen: wer sich für diesen Weg entscheidet, wird viele schöne Momente erleben. Wahres Miteinander findet immer abseits der ausgetretenen Pfade von Technik und ,Methode statt.

